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Ausstellung „Russlanddeutsche-Projekt“

„Es wurde verboten, in den Schulen deutsch zu sprechen!“
Wanderausstellung „Volk auf dem Weg, Geschichte der Deutschen aus Russland“ im JBG

Im Rahmen der interkulturellen Woche vom 12 bis 14.10. 2010 mit dem diesjährigen Motto: „Zusammen-Halten-Zukunft gewinnen“, fand am Dienstag am John-Brinckman-Gymnasium eine Eröffnung zu einem besonderen Geschichts- und Unterrichtsprojekt statt. Das Thema lautete: Integration in Deutschland am Beispiel der Deutschen aus Russland“

„Jeder Mensch möchte anerkannt und geachtet werden. Man muss sich besser kennen lernen. Und- nicht vergessen: Niemand urteilt schärfer, als der Ungebildete“, sagt der Direktor, Helmut Hikisch am Anfang. „ Mit dem Unterrichtsprojekt möchten wir versuchen, die Jugendlichen zum Nachdenken anzuregen, weit verbreitete Vorurteile abzubauen und zu vermitteln, dass Akzeptanz und Toleranz immer wichtiger für unser Zusammenleben werden. Und-So lag es nahe, ein besonderes Unterrichtsprojekt in der Veranstaltungsreihe anlässlich der interkultureller Woche des LK Güstrow mit aufzunehmen“, erklärt Marion Träger vom Jugendmigrationsdienst des CJD Waren (Müritz).

So führte Jakob Fischer, selbst ein Spätaussiedler aus Kasachstan, seit 1991 in Deutschland und, durch die Wanderausstellung „Volk auf dem Weg.

Geschichte und Gegenwart der Deutschen aus Russland“ beruhend auf eigenen Erlebnissen „Die Arbeit dient der Aufklärung. Gerade bei jungen Leuten ist es wichtig, gewisse Informationslücken rechtzeitig zu füllen, damit Klischeedanken und Fremdenfeindlichkeit nicht aufkommen.

Wir nutzen den Unterricht dazu, falsche Informationen über die Russlanddeutsche richtig zu stellen“, erzählt der Spätaussiedler. In den Schulen unterrichtet er als Gastlehrer und behandelt bereits seit 18 Jahren in zwei bis drei Unterrichtsstunden in ca. 200 Schulen bei 30 000 Schülern das Thema der Ausstellung.

„Ich gehe auf die Geschichte ein, – die Auswanderung in Russland im 18 und 19 Jahrhundert, Repressionen in der Sowjetzeit, die Rückkehr nach Deutschland- und auch über die Vorurteile gegenüber den Russlanddeutschen in der heutigen Bundesrepublik. Schließlich vertrete ich nicht mich selbst, sondern die ganze Volksgruppe der Russlanddeutschen“, so Jacob Fischer. So wurde gleich der Unterschied zwischen Emigration (Auswanderung) und Immigration (Zuwanderung), die falsche Bezeichnung „Ausländer“ sowie den Begriff „Asylbewerber“ geklärt.

„Ausländer sind die, die keinen deutschen Pass haben. Wir sind Aussiedler mit deutschen Vorfahrern und deutscher Staatsangehörigkeit aus der ehemaligen Sowjetunion. Und Asyl bedeutet- Schutz vor Verfolgung.“, berichtigt der Projektleiter. So war es besonders interessant zu erfahren, dass bereits 1763 die Russische Zarin Katharina die Zweite die Deutschen nach Russland gerufen hat und eine 100-jährige wirtschaftliche Blüte und kulturelle Autonomie der so genannten Wolgadeutschen sich entwickelte, bis es jedoch zu Spannungen, Unterdrückungen, Krieg und Beginn des Leidenweges der Deutschen aus Russland kam.

„Es wurde verboten, in den Schulen, Deutsch zu sprechen, die Rechte eingebüßt, verurteilt und Familien getrennt. Die Deutschen mussten sozusagen ihre Schuld abarbeiten. Und man darf darüber bis heute nicht reden!“, fügt er hinzu. Überrascht waren die Schüler auch über den Migrationstest und dessen Forderungen, den alle Aussiedler und Ausländer beim Einwandern nach Deutschland machen müssen- 80 % bestehen den Test leider nicht. Der frühere Geschichts- und Staatskundelehrer erzählte auch ein wenig seine Lebensgeschichte- wie aufwändig es war von der deutschen Botschaft die Zustimmung zu bekommen und wie schwierig es doch ist, sich mit einem fertig erlernten Beruf in Deutschland zu verwirklichen.

Auch viele junge Aussiedler haben einige Probleme bei der Integration. „ Das Wichtigste ist, dass es von der Familie kommt. Man darf nicht aufgeben, sollte fleißig sein und sich bemühen. Das Ganze ist wie ein Geben und Nehmen! Eine Lösung für das Problem wäre eine gemeinsame Freizeitbeschäftigung der Einheimischen und Aussiedlern“, unterstreicht Jakob Fischer. Wer Interesse hat, kann sich unter folgender Internetadresse informieren: www.deutscheausrussland.de. Nochmals Danke an Jakob Fischer, Marion Träger und der Geschichtslehrerin Gudrun Sachse.